| Veranstaltung: | Entwurf Landtagswahlprogramm Brandenburg 2019 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 1. ÖKOLOGISCH und NACHHALTIG - damit Brandenburg grüner wird |
| Antragsteller*in: | Isabell Hiekel (KV LDS) |
| Status: | Eingereicht (ungeprüft) |
| Angelegt: | 10.10.2018, 17:46 |
Moore schützen - Moorböden erhalten
Text
Moore leben vom Wasser. Wenn Moore wassergesättigt sind, speichern sie Kohlenstoff und Nährstoffe und sie bilden Kühlzellen in der Landschaft. Intakte Moore stellen Ökosysteme mit einer spezialisierten Tier- und Pflanzenwelt dar, die heute stark gefährdet ist. Werden Moore entwässert, gehen nicht nur wertvolle Lebensräume verloren. Dann kehren Moore ihre ökosystemaren Dienstleistungen um. Entwässerte Moore setzen CO2 frei, das unser Klima belastet und sie setzen Nährstoffe frei, die in unseren Fießgewässern uns Seen zur Euthrophierung führen.
Bereits seit Jahrhunderten, aber insbesondere im Zuge der Komplexmeliorationen der 70er Jahre, wurden Moorböden zum Zweck der landwirtschaftlichen Nutzung entwässert. Abgesehen vom Verlust an wertvollen Lebensräumen ist auch der Verlust an Moorböden spürbar. Bei der Entwässerung wird die organische Substanz der Moore durch Mikroorganismen abgebaut. Dort wo Luft rankommt, verschwindet der Moorboden mit der Zeit. Von den ursprünglich im Land Brandenburg vorkommenden Moorböden sind heute nur noch die Hälfte, ca. 160.000 ha, vorhanden. Der größte Teil dieser Fläche wird landwirtschaftlich genutzt und dazu weiter entwässert. Nur auf ca. 6.000 ha finden wir heute noch naturnahe, wassergesättigte Moore.
Das Land Brandenburg gehört zu den 4 moorreichsten Bundesländern im Norddeutschen Tiefland und trägt damit eine besondere Verantwortung für den Schutz der Moore. Wir wollen dafür sorgen, dass die Moorböden ihrer Funktion als Wasser-, Nährstoff- und Kohlenstoffspeicher in der Landschaft gerecht werden können und dass die noch verbliebenen wertvollen Moor-Lebensräume erhalten bleiben und entwickelt werden.
Dazu werden wir mit den Landwirten, Forstleuten und Naturschützern eng zusammenarbeiten. Besonders wichtig ist uns dabei die Verflechtung von Wissenschaft und Forschung mit den Praxisanwendern in der Landbewirtschaftung, um innovative Lösungen für die schwierigen Fragen zur Umsetzung einer moorschonenden bzw. moorerhaltenden Landbewirtschaftung zu finden.
Moorschutzstrategie
Wir wollen das Moorschutzprogramm des Landes Brandenburg fortschreiben und umsetzen. Dabei orientieren wir uns an folgenden Grundsätzen:
- Moorböden mit natürlichen Wasserständen sind als naturnahe Moore vor Entwässerung zu schützen. Die Ausprägung ihrer spezialisierten Tier- und Pflanzenwelt ist zu erhalten bzw. zu entwickeln.
- Eine Ackernutzung von Moorböden entspricht aus bodenschutzfachlicher Sicht nicht der guten fachlichen Praxis. Landwirtschaftlich genutzte Moorböden sind als extensives Grünland zu bewirtschaften.
- Für einen wirksamen Moorbodenschutz im Sinne einer moorschonenden Bewirtschaftung von Grünland im müssen vermehrt einschlägige Förderprogramme (GAP, Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen u.a.) angewendet und finanziell abgesichert werden.
- Moorböden unter forstlicher Nutzung müssen mit dem Ziel der Erhaltung oder Wiederherstellung naturnaher hydrologischer Verhältnisse gemanagt werden.
- Zum Schutz von Moorböden sind Entwässerungsmaßnahmen einer Genehmigungspflicht zu unterwerfen.
- Es darf keine Torfgewinnung im Land Brandenburg geben und die Verwendung von Torfen als Kultursubstrat muss deutlich zurückgeführt werden.
- Die Öffentlichkeit muss hinsichtlich der Bedeutung intakter Moorböden für unser Klima sowie für die Verwendung von Torfersatzprodukten sensibilisiert werden.
- Das Thema Moorbodenschutz ist stärker im Rahmen der schulischen, universitären und beruflichen Ausbildung zu verankern.
Nachhaltige Moorbodenbewirtschaftung
Konventionelle landwirtschaftliche Nutzung von Moorböden geht nur mit Entwässerung. Entwässerung führt immer zur Degradierung und Verlust von Moorboden. Etwa 1 cm pro Jahr verliert Moorboden bei effektiver Entwässerung durch Sackung, Schrumpfung und den mikrobiellen Abbau von organischer Substanz an Höhe. In vielen meliorierten Moorgebieten ist ein Höhenverlust des Bodens von 60 cm und mehr innerhalb der letzten vier Jahrzehnte nachgewiesen. Mit der Moorzersetzung nähern sich die Geländeoberflächen den Grabenwasserständen, worauf die Landwirtschaft mit weiterer Wasserstandsabsenkung reagiert. Vielerorts haben sich die Geländeoberflächen den Grundwasserständen soweit angenähert, dass weitere Entwässerungen nicht mehr möglich sind. Dann kommt es unweigerlich zur Vernässung dieser tiefliegenden Flächen und zu großen Problemen bei der konventionellen Bewirtschaftung. Zusätzlich führt die Entwässerung zur Ausbildung von Stauschichten im Torf und damit zur Verringerung der vertikalen Wasserleitfähigkeit, so dass Be- und Entwässerungsmaßnahmen nur noch bedingt in der Fläche wirken. Staunässe auf den Flächen, Verbinsung, aber auch Austrocknung und Vermulmung der Oberböden in Trockenphasen sind die Folge. Die konventionelle Nutzung der Moorböden führt zu großen Problemen in der Bewirtschaftung der Flächen, zu immer höheren Aufwendungen für die Landwirtschaftsbetriebe und verminderten Erträgen.
Es ist höchste Zeit, bei der landwirtschaftlichen Nutzung der Moorböden konsequent umzusteuern. Erste Ansätze gibt es durch die Einführung der Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (AUKM) „Moorschonende Stauhaltung“ und die Initiierung der Förderrichtlinie „ProMoor“ zur Anschaffung moorangepasster Technik in der laufenden Förderperiode im kleinen Rahmen. Wir wollen diese Ansätze ausbauen, weiterentwickeln und die Rahmenbedingungen für einen verbesserten landesweiten Moorschutz auf landwirtschaftlichen Flächen schaffen. Die Gewährleistung möglichst hoher, geländenaher Wasserstände ist dabei das erklärte Ziel. Die Bewirtschaftung von Mooren soll sich nicht am Stand der verfügbaren Technik und bestehender Verwertungsketten orientieren, sondern die Technik und die Verwertung von Biomasse muss den (möglichst nassen) Standortverhältnissen der bewirtschafteten Moore angepasst werden.
Für einen verbesserten Moorschutz in der Fläche sind innovative Lösungen gefragt. Die Entwicklung und Erprobung von Technik zur Bewirtschaftung nasser Moorflächen sind dabei ebenso gefragt wie der Aufbau von Verwertungsketten für Biomasse von wirtschaftlich genutzten Moorflächen. Dabei bauen wir auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Landwirten, wissenschaftlichen Einrichtungen und Betriebswirtschaftlern.
Moorschutz ist Klimaschutz!
Die UN-Weltklimakonferenz in Paris hat sich 2015 auf ein Klimaschutzabkommen geeinigt, in dem sich die Weltgemeinschaft völkerrechtlich verbindlich zum Ziel bekennt, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Dies setzt verstärkte Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase voraus. Die Intensität der bis heute praktizierten großflächigen Moorentwässerung und der damit verbundenen Kohlenstofffreisetzung steht den Klimaschutzzielen von Paris entgegen.
Tiefenentwässertes Grünland auf Moor ergibt eine Treibhausgasemmission von 29 t CO2 - Äquivalenten pro Hektar und Jahr. Dafür kann ein PKW 145.000 km fahren. Ackernutzung auf Moor führt sogar zu einer Treibhausgasemmission von 37 t CO2 - Äquivalenten pro Hektar und Jahr, heißt 185.000 PKW-Kilometer. Obwohl die Moorfläche nur 7,3 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands ausmacht, ist sie für die Freisetzung von mehr als einem Drittel (38%) der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Wenn wir unsere Klimaschutzziele erreichen wollen, müssen wir auch im Moorschutz einen Beitrag leisten. Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 eine moorerhaltende Bewirtschaftung der Flächen einzuführen. Der Nassmoorbewirtschaftung mit 100 % wassergesättigter Böden soll die Zukunft gehören. Stufenweise wollen wir über die moorschonende Bewirtschaftung zur moorerhaltenden Landnutzung übergehen. Dies schließt auch die Vernässung von wirtschaftlich nicht mehr nutzbaren Flächen ein. Diesen Weg dorthin wollen wir gemeinsam mit den Landwirten, Flächeneigentümern, Forschungseinrichtungen und Ökonomen gestalten und ebnen.
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